Programmier-Kurs ermöglicht Menschen mit Fluchterfahrung Einstieg in die IT-Branche
Bestens für den Neuanfang in der österreichischen IT gerüstet: insgesamt 13 Teilnehmende haben 3 Monate mehrere Programmiersprachen gelernt.
Die Nachfrage nach qualifiziertem IT-Personal steigt. 2017 stand standen Technikerinnen mit höherer Ausbildung für Datenverarbeitung und Diplomingenieure für Datenverarbeitung auf der Liste der Mangelberufe. In Wien haben die Unternehmen vor allem Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Personal mit Kenntnissen in Softwaretechnik/Programmierung.
Menschen mit Fluchterfahrung verfügen oft über das nötige Know-How, scheitern aber beim Einstieg. Ihnen fehlen die Dokumente und ihre Qualifikationen werden oft nicht anerkannt. Die Wirtschaftsagentur bat daher gemeinsam mit CORE, Refugees Code und der TU Wien den Qualifikationskurs DEVELOPME_ an, der den TeilnehmerInnen den Berufsstart erleichtert. Und es funktioniert: insgesamt 13 Teilnehmende haben 3 Monate mehrere Programmiersprachen gelernt, um sich für den Neuanfang in der österreichischen IT-Branche zu rüsten.
Mohammad Kaaed Al Japali und Shinda Hassan sind zwei von 13 AbsolventInnen des Kurses. Ihnen wurden am 13. Februar von Prof. Dr. Hannes Werthner, Dekan der Fakultät für Informatik an der TU Wien, die Abschlussurkunden überreicht.
Für den 37-jährigen aus Syrien war der Kurs an der TU Wien das perfekte Sprungbrett, um schnell in der IT durchzustarten. Der gelernte Textilmanager hat in den vergangenen drei Monaten mehrere Programmiersprachen gelernt. Viel davon hat er sich im Eigenstudium über das Internet selbst beigebracht. Aktuell stürmt er mit seinen Android-Apps - u. a. zum Erlernen von Fremdsprachen den Google Play Store. Seine Apps wurden bereits mehr als 1 Million Mal heruntergeladen. Als nächstes strebt er ein Praktikum in einem österreichischen Unternehmen an und feilt an seinen eigenen Sprachkenntnissen. Auch in Zukunft möchte er digitale Bildungsangebote entwickeln, damit jeder auf der Welt jede Sprache kostenlos lernen kann. Mit dem IT-Kurs an der TU kommt er seinem Lebensziel einen Schritt näher: "Programmieren ist der Traum meines Lebens," sagt er.
Auch die 22-jährige Shinda Hassan musste aufgrund des Krieges aus Syrien flüchten. Hier in Österreich möchte die Maturantin ebenfalls in der IT Fuß fassen. Für sie ist der Programmierkurs das Tor zu einer weiterführenden Ausbildung. Zu Beginn war sie skeptisch: "Ich hätte nie gedacht, dass ich in den Programmierbereich gehen und an diesem Kurs teilnehmen könnte, aber das Angebot hat mich dazu ermutigt, mich weiterzuentwickeln," erzählt Hassan. Als nächstes will sie eine HTL mit Schwerpunkt Programmieren besuchen. Ihr Ziel ist klar: "Ich will später einen Uniabschluss in Softwareentwicklung machen," sagt sie.
Wien, 26. April 2019